Matthäus 12 – Warum nennt Jesus gerade Jona und die Königin des Südens?

Mitten in den Auseinandersetzungen mit den Schriftgelehrten und Pharisäern nennt Jesus zwei Personen aus dem Alten Testament, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: Jona und die Königin des Südens.

Doch je genauer man hinsieht, desto deutlicher wird: Jesus wählt sie nicht zufällig aus. Sie verkörpern zwei grundlegende Antworten des Menschen auf Gottes Offenbarung.

Jona – die Antwort der Buße

Die Schriftgelehrten verlangen von Jesus ein weiteres Zeichen.

Dabei hatten sie bereits unzählige Wunder gesehen:

  • Blinde wurden sehend.
  • Lahme gingen.
  • Dämonen wurden ausgetrieben.
  • Aussätzige wurden gereinigt.

Es fehlte ihnen nicht an Zeichen.

Es fehlte ihnen an der Bereitschaft, ihnen zu glauben.

Deshalb antwortet Jesus:

„Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht begehrt ein Zeichen; und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur das Zeichen des Propheten Jona.“

Natürlich weist Jona auf den Tod und die Auferstehung Jesu hin. Wie Jona drei Tage im Bauch des großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.

Doch Jesus geht noch weiter.

Er sagt:

„Die Männer von Ninive werden im Gericht auftreten mit diesem Geschlecht und werden es verurteilen; denn sie taten Buße auf die Predigt Jonas hin; und siehe, mehr als Jona ist hier.“

Damit erinnert Jesus an etwas Einzigartiges im Alten Testament.

Jona predigte nur eine kurze Botschaft.

Er wurde zu einer heidnischen Stadt gesandt.

Und dennoch kehrte Ninive um. Die wohl effektvollste Predigt überhaupt!

Eine ganze Stadt hörte auf Gottes Warnung und tat Buße.

Nun aber steht der Sohn Gottes selbst vor Israel.

Er predigt nicht nur Gericht, sondern auch Gnade. Er heilt Kranke, treibt Dämonen aus und bestätigt seine Worte durch zahlreiche Wunder.

Trotzdem verweigern die religiösen Führer den Glauben.

Der Gegensatz könnte kaum größer sein.

Die Königin des Südens – die Antwort der Suche

Unmittelbar danach nennt Jesus ein zweites Beispiel:

„Die Königin des Südens wird auftreten im Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verurteilen; denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe, mehr als Salomo ist hier.“

Die Königin von Saba ist ebenfalls eine Heidin.

Sie hatte weit weniger Offenbarung als die Schriftgelehrten Israels.

Sie besaß weder das Gesetz noch die Propheten.

Sie hatte lediglich von der außergewöhnlichen Weisheit Salomos gehört.

Und dennoch machte sie sich auf eine lange und beschwerliche Reise, um selbst zu hören, ob diese Berichte wahr seien.

Am Ende erkennt sie an, dass Gott Salomo diese Weisheit geschenkt hat.

Auch hier stellt Jesus den Gegensatz heraus.

Eine heidnische Königin nimmt eine weite Reise auf sich, um einen weisen König zu hören.

Israel dagegen lehnt denjenigen ab, der größer ist als Salomo.

Zwei Beispiele – ein gemeinsamer Gedanke

Gerade die Verbindung dieser beiden Beispiele ist bemerkenswert.

Die Männer von Ninive stehen für die Buße.

Die Königin des Südens steht für die Suche nach göttlicher Weisheit.

Die einen erkennen ihre Schuld.

Die andere sucht die Wahrheit.

Beides sind grundlegende Antworten des Menschen auf Gottes Reden.

Jesus macht deutlich:

Beides findet seine Erfüllung in ihm.

Er ist mehr als Jona.

Er ruft nicht nur zur Buße auf, sondern bringt selbst die Erlösung.

Er ist mehr als Salomo.

Er besitzt nicht nur Weisheit, sondern ist die Weisheit Gottes selbst.

Warum gerade diese beiden?

Es fällt auf, dass Jesus weder Mose noch Elia oder Jesaja nennt.

Er nennt ausgerechnet zwei heidnische Zeugen.

Das passt zur großen Linie des Matthäusevangeliums.

Schon am Anfang kommen heidnische Sterndeuter aus dem Osten und beten den neugeborenen König an.

Später glaubt der römische Hauptmann.

Die kanaanäische Frau vertraut Jesus.

Und am Ende richtet sich der Missionsauftrag an alle Nationen.

Bereits in Matthäus 12 deutet sich an, dass Menschen aus den Völkern auf Gottes Offenbarung antworten, während viele in Israel sie zurückweisen.

Die eigentliche Anklage

Der gemeinsame Gedanke lautet deshalb nicht einfach: Buße oder Weisheit.

Sondern:

Wie reagiert der Mensch auf das Licht, das Gott ihm schenkt?

Ninive erhielt nur die Predigt Jonas – und tat Buße.

Die Königin von Saba hörte nur von Salomos Weisheit – und machte sich auf den Weg.

Die Schriftgelehrten dagegen besaßen das Gesetz, die Propheten, den Tempel, hatten Johannes den Täufer gehört und sahen die Wunder Jesu mit eigenen Augen.

Dennoch glaubten sie nicht.

Darin liegt die eigentliche Schärfe der Worte Jesu.

Nicht weil Gott zu wenig Offenbarung gegeben hätte.

Sondern weil der Mensch das gegebene Licht ablehnen kann.

Gerade deshalb folgt unmittelbar danach Matthäus 13. Dort erklärt Jesus, warum manche hören und doch nicht verstehen. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Gottes Wort ausgesät wird, sondern wie das Herz des Hörers darauf antwortet.

So werden Jona und die Königin des Südens zu zwei eindrucksvollen Zeugen des Alten Testaments.

Der eine steht für die Buße.

Die andere für die Suche nach göttlicher Weisheit.

Beide reagieren auf das Licht, das Gott ihnen gibt.

Und beide weisen damit auf den hin, der größer ist als Jona und größer ist als Salomo: Jesus Christus.

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