Jesaja – Einstieg

Jesaja – gereinigt und gesandt

Im sechsten Kapitel des Jesajabuchs wird beschrieben, wie der Prophet eine Vision Gottes hat. In dieser Begegnung erkennt er die Heiligkeit Gottes – und zugleich seine eigene Unzulänglichkeit. Jesaja bekennt:

„Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen.“ (Jes 6,5)

Daraufhin wird ihm durch ein Zeichen deutlich gemacht, dass seine Schuld vergeben ist. Erst nachdem er diese Reinigung erfahren hat, hört er die Stimme Gottes:

„Wen soll ich senden, und wer will unser Bote sein?“ (Jes 6,8)

Und Jesaja antwortet:

„Hier bin ich, sende mich.“

Das ist das Besondere an Jesaja: Er bietet sich selbst an. Anders als viele andere Berufene in der Bibel – wie Mose oder Jeremia – wehrt er sich nicht, sondern reagiert sofort und freiwillig. Seine Bereitschaft entsteht aus der Erfahrung der Vergebung. Er weiß, dass er aus sich selbst nicht geeignet ist, aber dass Gott ihn befähigt hat.

Jesajas Auftrag ist anspruchsvoll. Er soll zu einem Volk sprechen, das nicht bereit ist zu hören:

„Höret und verstehet es doch nicht, sehet und erkennet es doch nicht.“ (Jes 6,9)

Sein Dienst besteht darin, Gottes Wort treu weiterzugeben, auch wenn es auf Widerstand stößt. Er soll die geistliche Blindheit und Taubheit seiner Zeit benennen, das Gericht ankündigen – und zugleich die Hoffnung bewahren, dass Gott eines Tages neues Leben schenken wird.

So zeigt Jesaja, was Berufung bedeutet:

Gott ruft, reinigt und sendet.

Der Auftrag ist nicht immer leicht, aber er steht auf dem Fundament der Gnade.

Jesaja wird gesandt, weil Gott ihn vorbereitet hat – nicht durch Stärke, sondern durch Vergebung.

Die sieben Sendschreiben und ihre Bedeutung

Warum der Bezug zur persönlichen Glaubensentwicklung oder gar zur Schöpfung kritisch zu bewerten ist

Die sieben Sendschreiben in Offenbarung 2–3 gehören zu den meistdiskutierten Abschnitten des Neuen Testaments. Sie richten sich an konkrete Gemeinden in der römischen Provinz Asia: Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea. Diese Gemeinden existierten historisch im späten ersten Jahrhundert und standen jeweils vor unterschiedlichen geistlichen und sozialen Herausforderungen.

Im Verlauf der Kirchengeschichte haben Ausleger versucht, den sieben Schreiben über ihre unmittelbare historische Bedeutung hinaus eine symbolische Ordnung zu geben. Häufig wurde dabei die Zahl Sieben als Hinweis auf göttliche Vollständigkeit verstanden. Daraus entwickelten sich verschiedene Deutungsmodelle – etwa eine Abfolge kirchengeschichtlicher Epochen oder eine Parallele zu den sieben Schöpfungstagen in 1. Mose 1.

Für eine Verbindung zwischen den Sendschreiben und der Schöpfung gibt es jedoch keine textlichen Anhaltspunkte. Weder verweist die Offenbarung sprachlich noch thematisch auf den Schöpfungsbericht, noch lassen sich die Inhalte der einzelnen Schreiben mit den Schöpfungstagen inhaltlich verknüpfen. Die Übereinstimmung beruht allein auf der Zahl Sieben, nicht auf inhaltlicher Entsprechung. Daher bleibt diese Deutung spekulativ und exegetisch nicht begründbar.

Auch die verbreitete Vorstellung, die sieben Sendschreiben spiegelten die persönliche Entwicklung des Glaubens wider, ist mit Vorsicht zu betrachten. Zwar lassen sich gewisse Parallelen zwischen den geistlichen Zuständen der Gemeinden (etwa Eifer, Leid, Kompromiss, Lauheit) und individuellen Glaubenserfahrungen ziehen. Doch der Text selbst legt eine solche Deutung nicht nahe. Die Schreiben richten sich an reale Gemeinden mit konkreten Situationen, nicht an abstrakte Phasen des Glaubenslebens. Eine Übertragung auf den individuellen Weg kann allenfalls als Anwendung im weiteren Sinn dienen, sollte aber nicht als eigentliche Bedeutung verstanden werden.

Hinzu kommt, dass die Vorstellung eines typischen Glaubenswegs, der sich in der Abfolge der sieben Gemeinden widerspiegelt, inhaltlich schwer zu begründen ist. Die Sendschreiben enden mit Laodizea – einer Gemeinde, die für Lauheit und Selbstzufriedenheit steht. Wenn man die Briefe als Abbild einer geistlichen Entwicklung verstehen wollte, müsste diese Folge im siebten Abschnitt einen Höhepunkt oder eine Reifung des Glaubens markieren. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Laodizea wird von Christus als geistlich arm und bedürftig bezeichnet. Daraus wird deutlich, dass der Text keine aufsteigende oder abgeschlossene Entwicklungsreihe des Glaubens darstellt. Vielmehr beschreibt er verschiedene, nebeneinander bestehende Zustände von Gemeinden und Gläubigen, nicht eine fortlaufende Stufenfolge.

Die Zahl Sieben steht in diesem Zusammenhang daher eher für Vollständigkeit: Jesus richtet sich durch die sieben Briefe an die Kirche in ihrer Gesamtheit und an die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Glaubens, nicht an eine Abfolge individueller Stadien.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Die Sendschreiben sind historische Briefe mit bleibender theologischer und ethischer Bedeutung. Eine Verbindung zur Schöpfungsgeschichte ist nicht begründbar, und auch eine Deutung als Darstellung des persönlichen Glaubensweges bleibt interpretativ unsicher. Der Text gewinnt seine Aussagekraft vor allem dort, wo er als das gelesen wird, was er ist: Jesu konkrete Ansprache an sieben Gemeinden seiner Zeit, die exemplarisch zeigen, wie Glaube, Verantwortung und Umkehr in verschiedenen Kontexten Gestalt annehmen können.

Freier Wille, Gottes Wille und die Frage der Erwählung

Die Frage nach dem freien Willen des Menschen und Gottes Erwählung gehört zu den ältesten und am meisten diskutierten Themen der Theologie. Immer wieder stehen sich zwei Sichtweisen gegenüber: die Lehre, dass Gott Menschen von Ewigkeit her zur Rettung erwählt hat, und die Überzeugung, dass Gott allen Menschen die Freiheit schenkt, sich selbst für oder gegen ihn zu entscheiden.

Gott will den freien Willen

Schon die Schrift zeigt deutlich, dass Gott nicht Marionetten, sondern echte Beziehungspartner möchte. In 1. Timotheus 2,4 lesen wir: „… welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ Dieser Vers macht klar: Gottes Wunsch nach Rettung ist universal. Er will, dass Menschen freiwillig zu ihm kommen – aus Liebe und nicht aus Zwang.

Gerade deshalb greift Gott nicht in den freien Willen ein, wenn es um den Glauben geht. Er wirbt, ruft und lädt ein. Aber er zwingt niemanden. Der Glaube wird nicht aufgezwungen, sondern bleibt immer eine persönliche Antwort. Jesus selbst sagt mehrfach: „Dein Glaube hat dich geheilt.“ Der Mensch muss also den Schritt tun, auf Gottes Ruf zu reagieren.

Die Herausforderung der Prädestination

Die calvinistische Lehre der Prädestination behauptet, Gott habe schon vor aller Zeit bestimmt, wer gerettet wird und wer verloren geht. Damit aber würde der freie Wille des Menschen unterlaufen. Wenn alles vorbestimmt wäre, dann bliebe dem Menschen keine echte Entscheidungsmöglichkeit mehr.

Doch die Bibel stellt uns die Verantwortung klar vor Augen: Wir sollen glauben, um gerettet zu werden. Das setzt voraus, dass wir glauben können und dürfen – aus freiem Herzen und eigener Entscheidung.

Glaube als Voraussetzung der Rettung

Die Schrift zeigt an vielen Stellen, dass der Glaube die Bedingung für Rettung ist. Gott stellt ihn nicht als Leistung dar, sondern als Antwort. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, das Evangelium anzunehmen. Gott zwingt niemanden, aber er macht ernst mit seiner Einladung.

Ausnahme: Das Nasiräergelübde

Eine besondere Rolle spielen die Nasiräer, wie wir sie etwa bei Simson finden (Richter 13–16). Bei ihnen war die Weihe von Gott her bestimmt: kein Wein, keine Berührung mit Toten, keine Schere am Kopf. Diese Lebensform war nicht frei gewählt, sondern von Gott auferlegt. Doch gerade hier zeigt sich die Besonderheit: Simson selbst hatte trotz dieses besonderen Auftrags einen freien Willen – und scheiterte mehrfach daran. Auch ein Nasiräer konnte Gott untreu werden.

Das macht deutlich: Selbst in Fällen, in denen Gott einen besonderen Weg für einen Menschen vorsieht, bleibt der freie Wille erhalten.

Fazit

Gott will keine erzwungene Liebe. Er will Menschen, die aus freiem Willen zu ihm kommen. 1. Timotheus 2,4 lässt sich nicht auf eine kleine Gruppe Erwählter einschränken, sondern spricht von Gottes universellem Heilswillen. Der Glaube ist die entscheidende Antwort, die jeder selbst geben muss.

Prädestination mag eine systematische Logik haben – aber sie widerspricht dem Zeugnis der Schrift über Gottes Liebe, Freiheit und Einladung an alle Menschen.

Arminianismus

Arminianismus in der Bibel: Welche Stellen stützen ihn wirklich?

Der Arminianismus ist eine theologische Richtung innerhalb des Protestantismus, die stark die Verantwortung des Menschen und die universale Gnade Gottes betont. Er geht auf den niederländischen Theologen Jacobus Arminius (1560–1609) zurück und wurde später durch die Remonstranten weitergeführt.

Während der Calvinismus Gottes souveräne Erwählung und unwiderstehliche Gnade in den Vordergrund stellt, hält der Arminianismus dagegen: Gottes Gnade gilt allen, aber der Mensch bleibt frei, darauf zu antworten – oder auch nicht.

Doch welche Bibelstellen untermauern diese Sichtweise?

1. Christus starb für alle Menschen

Arminianer betonen, dass das Sühnopfer Jesu nicht nur einer begrenzten „Erwählten“-Gruppe gilt, sondern der ganzen Welt.

Johannes 3,16: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben habe.“ 1. Johannes 2,2: „Er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“ 1. Timotheus 2,4–6: Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden … Christus hat sich als Lösegeld für alle gegeben.“

2. Erwählung ist bedingt durch Glauben

Gott wählt Menschen nicht willkürlich, sondern in Verbindung mit seinem Vorwissen, ob sie im Glauben an Christus verharren.

Römer 8,29: „Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt …“ 1. Petrus 1,2: „Auserwählt … nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters.“ Johannes 3,18: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet …“

3. Gnade kann widerstanden werden

Die Bibel zeigt klar, dass Menschen Gottes Gnade nicht automatisch annehmen – sie können sie zurückweisen.

Matthäus 23,37: „… und ihr habt nicht gewollt!“ Apostelgeschichte 7,51: „Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist.“ 2. Korinther 6,1: „… dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt.“

4. Der Ruf zur Umkehr: echter freier Wille

Immer wieder ruft Gott den Menschen, sich zu entscheiden. Diese Verantwortung ist real – keine bloße Illusion.

Josua 24,15: „Wählt euch heute, wem ihr dienen wollt …“ Offenbarung 22,17: „Und wen dürstet, der komme; und wer will, nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ Hesekiel 18,32: „Ich habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden … so kehrt um und lebt!“

5. Abfall vom Glauben ist möglich

Im Unterschied zum calvinistischen Motto „einmal gerettet – immer gerettet“ warnt die Bibel mehrfach vor dem realen Risiko, vom Glauben abzufallen.

Hebräer 6,4–6: „… und dann abgefallen sind – es ist unmöglich, sie wieder zur Buße zu erneuern.“ Hebräer 10,26: „Denn wenn wir mutwillig sündigen … bleibt kein Opfer mehr übrig.“ 2. Petrus 2,20–21: „… so ist’s mit ihnen zuletzt ärger geworden als zuvor.“ Galater 5,4: „Ihr seid von Christus losgetrennt … ihr seid aus der Gnade gefallen.“

Fazit

Der Arminianismus findet in der Bibel reichlich Rückhalt:

Christus starb für alle. Erwählung geschieht im Zusammenhang mit Glauben. Gottes Gnade kann abgelehnt werden. Der Mensch ist wirklich frei zur Umkehr. Ein Abfall vom Glauben ist möglich.

Das alles zeigt: Die Beziehung zu Gott ist keine starre Vorherbestimmung, sondern ein dynamisches Geschehen aus Gottes unendlicher Liebe und der echten Antwort des Menschen.

Matthäus 24,40–41 und die Entrückung – Was der griechische Urtext wirklich sagt, und warum es nicht um das Ende der Drangsal geht

In Matthäus 24,40–41 sagt Jesus:

„Dann werden zwei auf dem Feld sein; einer wird aufgenommen und einer zurückgelassen. Zwei Frauen werden am Mühlstein mahlen; eine wird aufgenommen und eine zurückgelassen.“

Diese Worte gehören zu den eindrucksvollsten und zugleich umstrittensten Aussagen über das Kommen des Menschensohns. Doch ein genauer Blick in den griechischen Urtext klärt vieles – vor allem, ob es sich hier um ein Gericht handelt (Ende der Drangsal) oder um die Entrückung der Gläubigen.

Die griechischen Verben im Fokus

Im griechischen Text stehen zwei Verben im Zentrum:

„παραλαμβάνεται“ (paralambanetai) und „ἀφίεται“ (aphietai).

„Παραλαμβάνεται“ bedeutet „mitnehmen“, „an sich nehmen“, „aufnehmen“. Es handelt sich um eine Präsensform im Passiv. Dieses Wort begegnet uns zum Beispiel in Matthäus 17,1, wo Jesus Petrus, Jakobus und Johannes mitnimmt auf den Berg der Verklärung. Auch in Johannes 14,3 spricht Jesus davon, dass er wiederkommen werde, um die Seinen zu sich zu nehmen, damit sie bei ihm seien. In all diesen Stellen ist die Bedeutung durchweg positiv: Es geht um Nähe, Schutz, Gemeinschaft – genau das, was die Entrückung beschreibt.

Das zweite Verb, „ἀφίεται“, bedeutet „zurücklassen“, „verlassen“ oder auch „freigeben“. Auch das ist ein Passiv im Präsens. In Matthäus 4,20 lassen die Jünger ihre Netze zurück, um Jesus nachzufolgen. In Matthäus 23,38 spricht Jesus davon, dass das Haus (der Tempel) „euch überlassen“ wird – ein Ausdruck des Gerichts. In vielen Kontexten zeigt dieses Verb eine negative Trennung: Etwas oder jemand bleibt zurück, ist aufgegeben oder wird losgelassen.

Der Kontrast zwischen diesen beiden Verben ist also eindeutig: Der eine wird positiv aufgenommen, der andere negativ zurückgelassen. Das passt hervorragend zum Bild der Entrückung, bei der Jesus die Seinen holt, während andere auf der Erde zurückbleiben.

So auch der Vergleich zum Lukas-Evangelium: dort in 17,33 heißt es:

„Wer irgend sein Leben zu retten sucht, wird es verlieren; und wer irgend es verliert, wird es erhalten.“
‭‭Lukas‬ ‭17‬:‭33‬ ‬‬
Sprich: Wer mitgenommen wird, und das Leben zu verlieren scheint, behält es.

Was ist mit dem Vers über das „Aas“ und die „Geier“?

Ein Vers, der oft als Gegenargument genannt wird, steht kurz vorher in Matthäus 24,28:

„Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier.“

Manche meinen, das deute auf ein Strafgericht hin – also dass der „Weggenommene“ der Vernichtung übergeben wird. Doch das ist ein Missverständnis. Dieser Vers war zur Zeit Jesu ein bekanntes Sprichwort, das einfach bedeutet: Was geschieht, wird klar und unübersehbar sein – so wie sich Geier unweigerlich dort versammeln, wo ein toter Körper liegt. Es geht nicht um das Wesen des Ereignisses (Gericht oder Entrückung), sondern um dessen Offensichtlichkeit. Genau so wird die Wiederkunft Christi sichtbar für alle sein.

Entrückung oder Wiederkunft nach der Drangsal?

Ein entscheidender Punkt ist die Unterscheidung zwischen der Entrückung der Gemeinde und der sichtbaren Wiederkunft Jesu nach der Drangsal.

Die Wiederkunft nach der Drangsal ist berechenbar. Die Bibel nennt klare Zeitangaben: 1260 Tage, 42 Monate, dreieinhalb Jahre (Daniel 9; Offenbarung 11–13). Die Offenbarung schildert deutliche Zeichen: die Offenbarung des Antichristen, die Entweihung des Tempels, große kosmische Katastrophen. Wer während der Drangsal lebt, wird wissen: Das Ende steht unmittelbar bevor.

Die Entrückung hingegen ist völlig überraschend. Jesus selbst sagt in Matthäus 24,42:

„So wacht nun! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.“

In Vers 44 ergänzt er:

„Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht meint.“

Diese Mahnung zur ständigen Wachsamkeit ergibt nur dann Sinn, wenn das Ereignis nicht vorhersehbar ist – und das trifft ausschließlich auf die Entrückung zu. In der Drangsal, wo Zeichen und Zeitspannen deutlich sind, braucht es keine solche ständige Unsicherheit.

Darum spricht Jesus hier von einem plötzlichen Ereignis, das viele überraschen wird – so wie in den Tagen Noahs, wo die Menschen aßen, tranken, heirateten, bis die Flut kam und sie hinwegraffte. Jesus nimmt dieses Beispiel bewusst, um zu zeigen: Die Menschen lebten völlig normal, ohne Erwartung – genau wie heute.

Warum Wachsamkeit jetzt entscheidend ist

Wenn Jesus also in Matthäus 24 betont, dass niemand den Tag und die Stunde kennt, dass wir wachen und bereit sein sollen, dann richtet sich diese Botschaft nicht an die Menschen der Drangsal, sondern an uns heute – an die Gemeinde.

Denn jetzt ist die Zeit der Gnade, die Zeit der Einladung, die Zeit, vorbereitet zu sein.

In der Drangsal werden viele erkennen, dass sich die Prophezeiungen erfüllen. Doch dann wird die Entrückung bereits geschehen sein. Der Ruf zur Wachsamkeit gilt heute – jetzt ist die Zeit, bereit zu sein für das Kommen unseres Herrn.

Fazit

Die sprachliche Analyse von Matthäus 24,40–41 legt nahe: Jesus spricht von der Entrückung. Das griechische Verb „παραλαμβάνεται“ steht durchgängig für ein positives Mitnehmen – zu Christus hin. Das Gegenstück „ἀφίεται“ meint ein Zurücklassen, ein Verlorengehen. Die Sprichwörter und Gleichnisse in diesem Kapitel untermauern die zentrale Botschaft:

Wacht – denn ihr wisst nicht, wann euer Herr kommt.

Die Wiederkunft nach der Drangsal wird für die Welt sichtbar sein. Die Entrückung hingegen bleibt ein göttliches Geheimnis – und kann jederzeit geschehen.

Ist die Gemeinde in Offenbarung 4 schon entrückt?

Die Offenbarung des Johannes ist eines der spannendsten und zugleich umstrittensten Bücher der Bibel. Besonders die Frage, ob die Gemeinde Jesu bereits im Himmel ist, bevor die großen Gerichte beginnen, beschäftigt viele Christen. Der Blick auf Offenbarung Kapitel 4 ist dabei zentral.

Was geschieht in Offenbarung 4?

Johannes schreibt:

„Danach sah ich, und siehe, eine Tür war geöffnet im Himmel, und die erste Stimme, die ich wie die einer Posaune mit mir hatte reden hören, sprach: Komm hier herauf, und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muss. Und sogleich war ich im Geist …“ (Offb 4,1–2)

Ab Kapitel 6 beginnen die Siegelgerichte, gefolgt von den Posaunen- und Schalengerichten. Auffällig: Nach Kapitel 3 wird die Gemeinde nicht mehr erwähnt – erst in Kapitel 19 wieder, bei der Hochzeit des Lammes.

Sicht 1: Die Gemeinde ist schon entrückt

Viele Christen, die an eine Entrückung vor der großen Drangsal glauben (Prätribulationisten), sehen in Offenbarung 4 klare Hinweise darauf, dass die Gemeinde zu diesem Zeitpunkt bereits bei Christus im Himmel ist.

Sie deuten den Ruf „Komm hier herauf“ (4,1) als ein Bild für die Entrückung. Dass die Gemeinde nach den sieben Sendschreiben nicht mehr erwähnt wird, interpretieren sie als Zeichen, dass sie nun im Himmel ist. Auch die 24 Ältesten mit weißen Kleidern und Kronen (Kapitel 4–5) sehen viele als Symbol der verherrlichten Gemeinde.

Besonders wichtig ist für sie die Verheißung an Philadelphia: „Ich werde dich bewahren vor der Stunde der Versuchung“ (Offb 3,10). Für Prätribulationisten bedeutet das: Die Gemeinde wird nicht durch, sondern vor der Stunde der Prüfung bewahrt – eben durch Entrückung.

Aus dieser Sicht beginnen die Gerichte erst, nachdem die Gemeinde bereits in Sicherheit ist.

Sicht 2: Die Gemeinde bleibt auf der Erde

Andere Christen deuten Offenbarung 4 ganz anders. Für sie ist Johannes’ Himmelserfahrung eine persönliche Vision, nicht ein Bild für die Entrückung der gesamten Gemeinde. Der Ruf „Komm hier herauf“ gilt nur ihm.

Auch wenn das Wort „Gemeinde“ ab Kapitel 4 nicht mehr vorkommt, tauchen doch die „Heiligen“ auf, die vom Tier verfolgt werden (z. B. Offb 13,7). Diese verstehen sie als Gläubige aus der Gemeinde. Die Verheißung aus Offenbarung 3,10 bedeutet für sie nicht Entrückung, sondern Bewahrung inmitten der Prüfung – ähnlich wie Israel in Ägypten bei den Plagen verschont wurde.

Die Hochzeit des Lammes in Kapitel 19 bedeutet aus dieser Sicht nicht, dass die Gemeinde vorher im Himmel war, sondern dass sie nach der Drangsal endgültig mit Christus vereint wird.

Fazit

Ob Offenbarung 4 die Entrückung der Gemeinde beschreibt, hängt stark vom Auslegungssystem ab.

Wer den dispensationalistischen Ansatz vertritt, sieht hier deutliche Hinweise: Die Gemeinde ist bereits im Himmel, bevor die Gerichte beginnen. Wer eher amillennialistisch oder posttribulationistisch liest, versteht Johannes’ Entrückung als persönliche Vision und sieht die Gemeinde weiterhin auf der Erde.

Einig sind sich aber alle Ausleger darin, dass Jesu Worte an seine Gemeinde Wachsamkeit und Treue betonen. Denn unabhängig vom Zeitpunkt der Entrückung gilt:

„So ermahnt auch ihr euch gegenseitig mit diesen Worten.“ (1. Thessalonicher 4,18)

Entrückung und Ewiges Leben: Zehn klare Belege aus der Bibel

Die Frage, ob Christen wirklich entrückt werden und ob es Menschen geben wird, die den Tod niemals schmecken, bewegt viele Gläubige. Die Bibel spricht erstaunlich deutlich darüber. In diesem Beitrag schauen wir uns zehn zentrale Bibelstellen an, die das Thema Entrückung und das ewige Leben ohne Tod beleuchten.

1. Die Entrückung – Gläubige, die nicht sterben werden

Die Bibel zeigt mehrfach, dass eine Generation von Christen existieren wird, die den physischen Tod überspringt und direkt bei der Wiederkunft Jesu verwandelt wird.

1. 1. Thessalonicher 4,16–17

„… Danach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt … dem Herrn entgegen in die Luft.“

👉 Eine der deutlichsten Aussagen: Es wird Gläubige geben, die „übrigbleiben“ und ohne zu sterben zu Jesus entrückt werden.

2. 1. Korinther 15,51–52

„Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden … in einem Augenblick.“

👉 Paulus nennt das ein „Geheimnis“: Nicht alle Christen werden sterben – einige werden direkt verwandelt.

3. Johannes 14,2–3

„… und werde wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.“

👉 Jesu persönliche Zusage: Er selbst wird seine Jünger zu sich holen.

4. Philipper 3,20–21

„Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel … der unseren Leib … verwandeln wird.“

👉 Hoffnung auf eine plötzliche Umgestaltung – ohne notwendiges Sterben.

5. Offenbarung 3,10

„Ich werde dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird.“

👉 Von vielen Auslegern als Hinweis verstanden, dass die treue Gemeinde vor der weltweiten Drangsal bewahrt wird – also Entrückung.

2. Das Ewige Leben – Gläubige, die nie sterben im geistlichen Sinn

Parallel dazu bezeugt die Bibel, dass wahre Christen das ewige Leben bereits jetzt besitzen. Ihr „Sterben“ ist kein Ende, sondern Übergang in die unmittelbare Gemeinschaft mit Christus.

6. Johannes 11,25–26

„… und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit.“

👉 Jesu Versprechen: Wer an ihn glaubt, stirbt im eigentlichen Sinn nie.

7. Johannes 5,24

„… hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist vom Tod ins Leben hinübergegangen.“

👉 Ewiges Leben beginnt schon jetzt – nicht erst nach dem Tod.

8. 1. Johannes 5,11–12

„Wer den Sohn hat, der hat das Leben.“

👉 Ewiges Leben ist gegenwärtiger Besitz, keine ferne Hoffnung.

9. 2. Korinther 5,1–2

„… so haben wir ein ewiges Haus im Himmel …“

👉 Selbst wenn der irdische Leib vergeht, wartet sofort das ewige Leben bei Gott.

10. Offenbarung 21,4

„… und der Tod wird nicht mehr sein …“

👉 Endgültige Abschaffung des Todes im neuen Himmel und auf der neuen Erde.

Fazit: Hoffnung, die trägt

Die Bibel macht deutlich:

Entrückung: Es wird Gläubige geben, die den physischen Tod nie erfahren, sondern in einem Augenblick verwandelt werden. Ewiges Leben: Jeder, der an Christus glaubt, besitzt schon jetzt Leben, das nie endet – auch wenn der Leib vergeht.

Darum gilt:

„So tröstet nun einander mit diesen Worten.“ (1. Thessalonicher 4,18)

Diese Verheißungen sollen keine Angst machen, sondern Trost, Hoffnung und Wachsamkeit wecken. Denn unser Herr kommt – vielleicht schneller, als wir denken.

Gottes Heilsplan zwischen Souveränität und Freiheit – Warum die „Kette des Heils“ keine Schicksalsmaschine ist

„Denn die er zuvor erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt […].“

(Römer 8,29)

Diese Worte aus dem Römerbrief klingen für viele Christen wie ein göttlicher Zeitstrahl: Gott hat alles vorhergesehen, vorherbestimmt, berufen, gerechtfertigt – und am Ende steht die Verherrlichung. Alles scheint lückenlos, wie in einer Kette. Doch ist das wirklich so gemeint? Oder gibt es in der Bibel Hinweise darauf, dass Gottes Heilsplan offener, beziehungsorientierter und dynamischer ist?

In diesem Beitrag zeige ich, wie die „Kette des Heils“ aus Römer 8 nicht im Widerspruch steht zu Gottes Geduld, seinen Aufrufen zur Umkehr, seinem Zorn über menschliches Versagen – und vor allem nicht zu unserem freien Willen. Im Gegenteil: Sie passt in ein großes biblisches Bild, das von einem Gott erzählt, der treu bleibt, mit uns ringt, eingreift, aber nicht zwingt, und auf echte Entscheidungen wartet.

🔹 Gottes Plan hat Werkzeuge – nicht alle sind gleich berufen

Die Bibel zeigt, dass Gott einzelne Menschen gezielt beruft, um entscheidende Wendepunkte seiner Heilsgeschichte umzusetzen:

Propheten wie Jeremia, Jona oder Jesaja: berufen oft schon vor der Geburt. Mose, der das Volk aus Ägypten führen sollte. Maria, die Mutter Jesu. Paulus, der Verfolger – zum „auserwählten Werkzeug“ (Apg 9,15) gemacht. Und natürlich Jesus Christus selbst, „nach Gottes festgesetztem Ratschluss dahin gegeben“ (Apg 2,23).

Diese Berufungen sind besonders. Aber sie sind nicht das Maß für alle Menschen.

🔹 Für die meisten Menschen ist der Weg offen – aber herausgefordert

Die Bibel zeigt, dass der Weg zu Gott bei vielen kein Automatismus ist, sondern ein Zusammenspiel von:

Entscheidungen: „Wählt euch heute, wem ihr dienen wollt“ (Josua 24,15) Einflüssen: Menschen bezeugen, predigen, beten, helfen geistlichem Kampf: Satan verblendet, verführt und blockiert (2. Kor 4,4) Gottes Werben: durch den Heiligen Geist, das Evangelium, Gewissen, Gebet

→ Gott will, dass alle Menschen gerettet werden (1. Tim 2,4), aber er zwingt niemanden.

🔹 Beispiel Mose: Berufung kann sich ändern

Mose war der große Führer Israels – berufen, das Volk ins verheißene Land zu bringen. Doch durch einen Moment des Ungehorsams wurde diese Berufung nicht erfüllt:

„Weil ihr mir nicht geglaubt habt […] sollt ihr die Gemeinde nicht ins Land bringen.“ (4. Mose 20,12)

→ Gott ändert seinen Weg, wenn Menschen versagen. Nicht sein Ziel, aber den Weg dorthin.

🔹 Israel: Erwählt – und dennoch offen für Scheitern

Israel war als Volk berufen, das Licht der Welt zu sein – der Ort, durch den Gott alle Nationen zum Heil führen wollte. Jesus kam zuerst zu seinem Volk:

„Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Johannes 1,11)

Doch Gott verwarf Israel nicht. Stattdessen wirkte er durch die Heidenmission – insbesondere durch Paulus:

„Durch ihren Fall wurde das Heil den Heiden zuteil.“ (Römer 11,11)

→ Der Plan wurde nicht zerstört, sondern erweitert.

🔹 Verheißung braucht Beteiligung: Das verheißene Land

Auch das zeigt ein wichtiges Prinzip: Gott verheißt – aber der Mensch muss handeln.

„Zieht hinein und nehmt es in Besitz!“ (5. Mose 1,8) „Was ihr nicht betretet, gehört euch nicht.“ (Josua 1,3) „Sie konnten nicht hineinkommen wegen des Unglaubens.“ (Hebräer 3,19)

→ Wer nicht glaubt oder handelt, empfängt die Verheißung nicht – obwohl sie gegeben ist.

🔹 Gott ruft – und lässt sich bewegen

Immer wieder ruft Gott zur Umkehr. Immer wieder ändert er sein Handeln, wenn Menschen beten, Buße tun oder glauben:

Mose: rettet Israel durch Fürbitte (2. Mose 32) Hiskia: bekommt 15 Jahre mehr Leben (Jesaja 38) Ninive: wird verschont nach Umkehr (Jona 3)

→ Das zeigt: Gottes Wege sind keine Einbahnstraßen, sondern Dialogwege.

🔹 Jesus selbst: nicht ferngesteuert, sondern gehorsam

„Obwohl er Sohn war, lernte er Gehorsam an dem, was er litt.“ (Hebräer 5,8)

→ Auch Jesus ging den Weg echter Entscheidung, Prüfung und Gehorsam.

→ Er war nicht ein göttlicher Automat – sondern wahrer Mensch, der sich hingab.

🔹 Die Kette des Heils in Römer 8 – was bedeutet sie wirklich?

Jetzt also zu der Frage: Wie passt all das zur sogenannten Kette des Heils?

Römer 8,29–30:

„Denn die er zuvor erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt […]“

Auf den ersten Blick klingt das wie ein geschlossener Kreislauf. Doch bei genauem Hinsehen:

1. „Zuvor erkannt“ – bedeutet Beziehung, nicht Schicksal

→ Das griechische „proegnō“ heißt „vorher erkannt“ oder „geliebt“. Gott kennt im Voraus, wer zu ihm gehört – aber er zwingt nicht.

2. „Vorherbestimmt“ – nicht zur Errettung, sondern zur Christusähnlichkeit

→ „… dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein.“

→ Es geht nicht um ein Schicksal, sondern um eine Richtung für die Berufenen.

3. „Berufen – gerechtfertigt – verherrlicht“ – gilt für die, die im Glauben bleiben

→ Die Bibel kennt auch das Verlassen des Glaubens (Gal 5,4: „Ihr seid aus der Gnade gefallen“).

4. Die Kette ist kein Zeitplan – sondern ein Vertrauensbeweis

→ Sie richtet sich an Gläubige in Bedrängnis (Röm 8,31–39):

„Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?“

→ Die Antwort: Nichts – solange wir in ihm bleiben.

✅ Fazit: Kein starrer Plan – sondern ein treuer Gott mit einem offenen Herzen

Gott ist kein Marionettenspieler. Er ist Vater, Hirte, Richter, Freund und König. Er kennt alles – aber er handelt in Beziehung. Er plant – aber er passt Wege an. Er beruft – aber er respektiert Entscheidung.

Die „Kette des Heils“ ist keine Schicksalskette –

sondern ein Beweis für Gottes Durchhaltewillen, Treue und Geduld.

🔚 Schlusswort

Gott zwingt niemanden – aber er kämpft um jeden.

Er hat einen Plan – aber keinen Plan B, weil sein Plan Liebe in Beziehung ist.

Er will, dass alle gerettet werden – doch er lässt dem Menschen die Freiheit, ja oder nein zu sagen.

Ob durch Propheten, durch Mose, durch Israel, durch Jesus oder durch dich:

Gott handelt – und er ruft dich, mitzumachen.

Jede Menge unlogischer Erklärungen von der vermeintlich logischen Evolutionstheorie

Fragen an den Ursprung: Gedanken über den Anfang allen Lebens

Nach heutiger wissenschaftlicher Theorie ist alles Leben auf der Erde aus einem Zustand des “Nichts” hervorgegangen – genauer gesagt aus einer winzig kleinen „Singularität“. Diese Singularität soll völlig leblos gewesen sein und dennoch alle Informationen enthalten haben, aus denen später das gesamte Universum, mitsamt Menschen, Tieren und Pflanzen, entstanden ist.

Laut Urknalltheorie entstand also aus dieser kaum vorstellbar kleinen Anfangsexistenz das gesamte Weltall. Woher diese Singularität allerdings selbst gekommen sein soll, kann bis heute niemand erklären – sie war einfach da. Von dort aus dehnte sich das Universum angeblich unaufhaltsam aus, bis zu seiner heutigen Größe – und soll sich auch weiterhin ausdehnen.

Was mich an dieser Vorstellung stört: Im alltäglichen Leben wissen wir, dass Leben nicht einfach aus dem Nichts entsteht. Menschen, Tiere, Pflanzen – alles Leben benötigt einen Akt der Fortpflanzung, eine Befruchtung oder ein anderes biologisches System, um sich zu vermehren. Doch laut Theorie soll aus dieser winzigen „Urzelle“ plötzlich eine Vielfalt an Lebewesen entstanden sein – von denen offenbar gleich zu Beginn jeweils mindestens zwei Exemplare vorhanden gewesen sein müssen, um sich weiter fortpflanzen zu können. Wie genau das zustande gekommen sein soll, bleibt völlig unklar.

Wenn man heute jemanden fragen würde, ob aus einem Stein zwei Menschen werden könnten – und daraus dann noch viele weitere – würde jeder diese Idee entschieden ablehnen. Doch genau das scheint im Kern die Aussage der Urknalltheorie zu sein: Aus einem winzigen Punkt ist alles entstanden, ohne ersichtliche Ursache, ohne klare Erklärung.

Noch seltsamer erscheint mir die Behauptung, dass dieses System in ein paar Milliarden Jahren wieder kollabieren könnte. Wie das logisch zu erklären sein soll, erschließt sich mir nicht. Zwar wird versucht, all das wissenschaftlich und logisch zu begründen – doch gleichzeitig gibt es eine Vielzahl an Aussagen, die weder logisch nachvollziehbar noch wirklich belegt sind.

Auch die gleichzeitige Verbreitung von Menschen in ähnlichem Entwicklungsstadium auf der ganzen Welt gibt Rätsel auf. Wäre die Evolution wirklich so verlaufen, wie sie beschrieben wird, dann müssten Menschen in verschiedenen Erdteilen doch in ganz unterschiedlichen Stadien der Entwicklung sein. Und was die Theorie der Abstammung vom Affen betrifft: Affen lebten nicht auf jedem Kontinent. Wenn also der Mensch vom Affen abstammen soll, wie konnte sich dann die Menschheit weltweit entwickeln? Und wie konnte aus einem Affen überhaupt der erste Mensch entstehen, wenn doch zur Fortpflanzung immer mindestens zwei Wesen notwendig sind?

Fragen über Fragen – und viele davon bleiben unbeantwortet.

Die Berufung der Zwölf: Das neue Israel in Jesu Händen

Wenn wir die Evangelien lesen, fällt etwas Besonderes auf: Jesus beginnt sein Wirken nicht mit Macht, nicht mit Gesetzen und nicht mit einer religiösen Elite – sondern mit Menschen. Ganz gewöhnlichen Menschen. Und ausgerechnet zwölf davon wählt er aus, um mit ihnen das Fundament für etwas völlig Neues zu legen. Was steckt hinter dieser Berufung? Und könnten diese Zwölf das Israel darstellen, wie Jesus es sich gewünscht hat?

Der Weg zur Berufung der Zwölf

Der Weg beginnt, bevor Jesus einen einzigen Jünger ruft. Johannes der Täufer bereitet das Volk auf den Messias vor – mit klarer Umkehrpredigt. Jesus wird von ihm getauft, zieht sich in die Wüste zurück, durchlebt dort Versuchung und Prüfung. Erst danach beginnt er öffentlich zu predigen: „Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15).

Schon bald folgen ihm die ersten Jünger – Petrus, Andreas, Jakobus, Johannes. Später ruft er einen Zöllner (Matthäus), Philippus, Nathanael und andere. Und schließlich, nach einer Nacht im Gebet, wählt Jesus bewusst zwölf Männer aus (Lukas 6,12–16). Sie sollen nicht nur Schüler sein, sondern Apostel – Gesandte. Sie sind nicht nur Mitläufer, sondern sollen später selbst predigen, heilen, Hoffnung bringen.

Zwölf – kein Zufall

Warum genau zwölf? Die Zahl ist kein Zufall. Sie steht für die zwölf Stämme Israels – also das ursprüngliche Gottesvolk. Mit der Wahl von zwölf Jüngern signalisiert Jesus: Hier beginnt etwas Neues, aber es steht in direkter Linie zur Geschichte Israels. Es ist, als würde Jesus sagen: „Ich rufe das Volk Gottes neu zusammen – nicht auf der Grundlage von Abstammung, sondern auf der Grundlage von Nachfolge, Glaube und Umkehr.“

Ein Israel, wie Jesus es sich gewünscht hat?

Das ist eine tiefgehende Frage. Auf symbolischer Ebene: Ja. Die Zwölf stehen für das neue, geistliche Israel – eine Gemeinschaft, die von Jesus selbst gerufen, geformt und gesandt wird. Sie verkörpern eine andere Art von Volk Gottes: eins, das sich nicht über Herkunft definiert, sondern über Beziehung.

Aber auf menschlicher Ebene? Noch nicht ganz. Die Evangelien sind ehrlich: Die Jünger verstehen Jesus oft nicht. Sie streiten, wer der Größte ist. Sie schlafen ein, als er am meisten leidet. Petrus verleugnet ihn, und die meisten fliehen beim Kreuz.

Und doch: Jesus bleibt. Er wirft sie nicht weg, sondern bleibt an ihrer Seite – er formt sie weiter. Und als er aufersteht, kommt er zu ihnen. Er haucht ihnen den Heiligen Geist ein. Und an Pfingsten schließlich, werden aus verängstigten Jüngern mutige Apostel.

Das neue Gottesvolk wächst

Die Zwölf sind nicht perfekt – aber bereit. Nicht vollkommen – aber offen. Und genau so fängt Gott Neues an. Nicht mit fertigen Helden, sondern mit Lernenden. Die Jünger sind das Saatkorn für ein neues Israel – eins, das auf Vertrauen, Hingabe und Liebe gegründet ist.

Fazit:

Jesus hat sich nicht ein besseres Israel gewünscht – sondern ein tieferes. Eins, das sich nicht über Grenzen, Gesetze oder Blutlinien definiert, sondern über das Herz. Die Zwölf Jünger stehen am Anfang dieses Weges. Und wer heute folgt, tritt mit in diesen Ruf: Teil eines Volkes zu sein, das auf den Ruf Jesu hört und ihm nachgeht – Schritt für Schritt, in aller Unvollkommenheit, aber mit offenem Herzen.