Gruppen von Gläubigen oder (Noch) Nicht(-)Gläubigen

TEIL 1

KATEGORIE 1: GESETZES-INTENTIONALISTEN

(„Ich will Gottes Gebote halten“ – religiöser Vorsatz)

1. Grundbeschreibung

Diese Gruppe ist ernsthaft religiös.

Sie will Gott gefallen, geht aber davon aus, dass dies durch richtiges Tun möglich ist.

Das Denken ist:

Gebot → Gehorsam → Anerkennung Vorsatz → Bemühung → Rechtfertigung

Das ist alttestamentlich geprägt, aber noch nicht evangeliumsgemäß.

2. Kennzeichen (Jesus-Zitate)

a) Selbstsicherheit im Tun

„Das alles habe ich gehalten von meiner Jugend an.“

(Mt 19,20)

b) Gesetz als Maßstab der Gerechtigkeit

„Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben erbe?“

(Lk 10,25)

c) Identität aus religiöser Zugehörigkeit

„Wir haben Abraham zum Vater.“

(Mt 3,9)

3. Jesu Umgang

Jesus bestätigt den Vorsatz, aber zerstört die Illusion, dass er genügt.

Beim reichen Jüngling:

„Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast … und folge mir nach.“

(Mt 19,21)

Jesus:

verschärft das Gesetz führt an den Punkt der Unmöglichkeit zwingt zur Entscheidung

Grundsatz:

„Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten …“

(Mt 5,20)

Jesus will nicht bessere Gesetzeserfüllung, sondern Umkehr des Herzens.

4. Paulus dazu

Paulus erklärt theologisch, was Jesus praktisch tut:

„Sie haben Eifer für Gott, aber nicht nach der rechten Erkenntnis.“

(Röm 10,2)

„Durch Gesetzeswerke wird kein Mensch gerecht.“

(Gal 2,16)

„Das Gesetz ist unser Zuchtmeister auf Christus hin.“

(Gal 3,24)

➡️ Diese Kategorie ist nicht fern vom Reich Gottes, aber noch nicht darin.

TEIL 2

KATEGORIE 2: BEDINGT WILLIGE / EVENTUAL-GLAUBENDE

(Interesse ohne Dringlichkeit)

1. Grundbeschreibung

Diese Menschen sind:

offen interessiert teilweise begeistert

Aber:

ohne existenzielle Entscheidung ohne Bruch mit dem Alten ohne Bleiben

Glaube ist Option, nicht Notwendigkeit.

2. Kennzeichen (Jesus-Zitate)

a) Aufschub

„Herr, erlaube mir zuvor …“

(Lk 9,59)

b) Nutzenorientiertes Interesse

„Ihr sucht mich, weil ihr von den Broten gegessen habt.“

(Joh 6,26)

c) Rückzug bei Zuspitzung

„Von da an gingen viele seiner Jünger zurück.“

(Joh 6,66)

3. Jesu Umgang

Jesus wirbt nicht nach, sondern verschärft:

„Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein.“

(Lk 14,27)

„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück …“

(Lk 9,62)

Jesus akzeptiert keinen Glauben auf Probe.

4. Paulus dazu

„Ihr lieft gut; wer hat euch gehindert?“

(Gal 5,7)

„Lasst euch nicht abbringen von der Hoffnung des Evangeliums.“

(Kol 1,23)

➡️ Anfangen ohne Bleiben ist kein Ziel.

TEIL 3

KATEGORIE 3: SELBSTTÄUSCHER

(„Ich glaube doch“ – religiöse Sicherheit ohne Gehorsam)

1. Grundbeschreibung

Diese Kategorie ist theologisch besonders heikel.

Es handelt sich um Menschen, die subjektiv überzeugt sind, „drin“ zu sein.

Kennzeichnend ist:

religiöses Selbstbild fehlende Prüfung kein Empfinden von Bußbedarf

Nicht Ablehnung, sondern falsche Gewissheit.

2. Kennzeichen (Jesus-Zitate)

a) Bekenntnis ohne Gehorsam

„Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr, wird in das Reich der Himmel eingehen.“

(Mt 7,21)

b) Sicherheit ohne Beziehung

„Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt.“

(Mt 7,23)

c) Selbstwahrnehmung als Sehende

„Nun aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.“

(Joh 9,41)

d) Religiöse Aktivität ohne Wahrheit

„Sie kommen zu dir wie das Volk zusammenkommt … aber sie tun es nicht.“

(Hes 33,31 – von Jesus her mitgedacht)

3. Typische biblische Beispiele

„Herr-Herr“-Bekenner → Mt 7,21–23 Pharisäer → Mt 23 Gemeinde Laodizea → Offb 3,15–17

Laodizea:

„Du sprichst: Ich bin reich und habe Überfluss … und weißt nicht, dass du elend und blind bist.“

(Offb 3,17)

4. Jesu Umgang

Jesus:

bestätigt nicht tröstet nicht entlarvt

Er ruft nicht zuerst zur Tat, sondern zur Erkenntnis des eigenen Zustands.

„Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde; nun aber sagt ihr: Wir sehen.“

(Joh 9,41)

Er setzt Warnworte, keine Diskussion.

5. Paulus dazu

Paulus ist hier besonders deutlich:

„Sie geben vor, Gott zu kennen, aber mit den Werken verleugnen sie ihn.“

(Tit 1,16)

„Wer meint, er stehe, der sehe zu, dass er nicht falle.“

(1 Kor 10,12)

„Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid.“

(2 Kor 13,5)

➡️ Selbsttäuschung ist gefährlicher als offener Unglaube.

KATEGORIE 4: VORSÄTZLICH ERKENNTNISVERMEIDENDE

(bewusstes Wegsehen wegen Konsequenzen)

1. Grundbeschreibung

Hier liegt keine Unwissenheit vor.

Diese Menschen ahnen oder wissen, dass Jesus Wahrheit sagt –

vermeiden aber die Konsequenzen.

Das ist vorsätzliche Blindheit.

2. Kennzeichen (Jesus-Zitate)

a) Wahrheit wird gemieden

„Das Licht ist in die Welt gekommen, und die Menschen liebten die Finsternis mehr.“

(Joh 3,19)

b) Angst vor Verlust

„Denn sie liebten die Ehre der Menschen mehr als die Ehre Gottes.“

(Joh 12,43)

c) Ausweichen in Ersatzfragen

„Warum tut ihr nicht, was ich sage?“

(Lk 6,46)

d) Blockierte Erkenntnis

„Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt?“

(Joh 5,44)

3. Typische biblische Beispiele

Führer Israels trotz Zeichen → Joh 11,47–53 Heimliche Gläubige → Joh 12,42–43 Menschen, die das Licht meiden → Joh 3,20

4. Jesu Umgang

Jesus:

spricht nicht offen weiter benutzt Gleichnisse zieht sich zurück

„Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen.“

(Mt 13,13)

„Er tat dort nicht viele Zeichen.“

(Mk 6,5)

Hier greift auch:

„Gebt das Heilige nicht den Hunden.“

(Mt 7,6)

Nicht aus Härte, sondern weil Wahrheit missbraucht würde.

5. Paulus dazu

Paulus beschreibt diesen Zustand grundsätzlich:

„Sie halten die Wahrheit in Ungerechtigkeit nieder.“

(Röm 1,18)

„Ihr Denken ist verfinstert.“

(Eph 4,18)

„Sie sind verstockt.“

(2 Kor 3,14)

➡️ Hier ist nicht mehr Erklärung nötig, sondern Gottes Eingreifen.

TEIL 4

KATEGORIE 5–8: ERSATZGLÄUBIGE, TRADITIONELL DABEI SEIENDE, VERHÄRTETE UND HÖRENDE

Damit ist das System vollständig.

KATEGORIE 5: ERSATZGLÄUBIGE / SUBJEKTIV- ODER TRADITIONSFROMME

(„Ich habe meinen Draht zu Gott – das Wort brauche ich nicht“)

1. Grundbeschreibung

Diese Menschen beanspruchen Gottesnähe,

lehnen aber die objektive Autorität des Wortes ab oder relativieren sie.

Typisch ist:

„Beziehung“ ohne Schrift Geist ohne Wahrheit Frömmigkeit ohne Korrekturmöglichkeit

Nicht Rebellion, sondern Umgehung der Offenbarung.

2. Kennzeichen (Jesus-Zitate)

a) Schrift wird umgangen

„Ihr hebt das Wort Gottes auf um eurer Überlieferung willen.“

(Mk 7,13)

b) Gottesverehrung ohne Wahrheit

„Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir.“

(Mk 7,6)

c) Erkenntnisverweigerung trotz Schriftkenntnis

„Ihr erforscht die Schriften … und wollt doch nicht zu mir kommen.“

(Joh 5,39–40)

d) Subjektive Autorität

„Meine Schafe hören meine Stimme.“

(Joh 10,27)

(nicht: „folgen ihrer eigenen“)

3. Typische biblische Beispiele

Pharisäer mit Überlieferung → Mk 7,8–13 Schriftgelehrte ohne Kommen → Joh 5,39–47

4. Jesu Umgang

Jesus führt radikal zurück zur Schrift:

„Habt ihr nicht gelesen?“

(Mt 12,3; Mt 19,4)

„Es steht geschrieben.“

(Mt 4,4)

Er akzeptiert keine Spiritualität ohne Wort.

5. Paulus dazu

„Alle Schrift ist von Gott eingegeben.“

(2 Tim 3,16)

„Lasst euch von niemandem um den Kampfpreis bringen …“

(Kol 2,18)

„Auch wenn wir oder ein Engel … ein anderes Evangelium verkündigen.“

(Gal 1,8)

KATEGORIE 6: TRADITIONELL DABEI SEIENDE

(Kinder von Gläubigen, sozialisierte Christen ohne Umkehr)

1. Grundbeschreibung

Diese Menschen:

sind „drin“ durch Umfeld kennen Sprache, Formen, Lieder haben aber keine persönliche Umkehr

Gefährlich ist die falsche Sicherheit.

2. Kennzeichen (Jesus-Zitate)

a) Zugehörigkeit als Sicherheit

„Wir haben Abraham zum Vater.“

(Mt 3,9)

b) Äußere Nähe ohne innere Realität

„Viele sind berufen, aber wenige auserwählt.“

(Mt 22,14)

c) Vorbereitung ohne Wirklichkeit

„Fünf von ihnen waren töricht.“

(Mt 25,2)

3. Typische biblische Beispiele

Israeliten in der Wüste → 1 Kor 10,1–5 Unkraut unter Weizen → Mt 13,24–30 Jungfrauen ohne Öl → Mt 25,1–13

4. Jesu Umgang

Jesus:

zerstört Automatismen fordert persönliche Neugeburt

„Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“

(Joh 3,3)

„Meint nicht, ihr könntet sagen …“

(Mt 3,9)

5. Paulus dazu

„Nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist.“

(Röm 2,28–29)

„Sie hatten alle dieselben geistlichen Erfahrungen … und doch …“

(1 Kor 10,1–5)

KATEGORIE 7: BEWUSST VERHÄRTETE / FEINDSELIGE („HUNDE“)

1. Grundbeschreibung

Diese Menschen:

lehnen Wahrheit bewusst ab reagieren mit Spott, Aggression oder Zynismus setzen klare Grenzen

Hier liegt keine Suchbewegung mehr vor.

2. Kennzeichen (Jesus-Zitate)

„Sie suchten ihn zu steinigen.“

(Joh 8,59)

„Ein Spötter hasst den, der ihn zurechtweist.“

(Spr 15,12)

3. Typische biblische Beispiele

Herodes Antipas → Lk 23,8–11 Gegner Jesu → Joh 8 Spötter in Antiochia → Apg 13,45

4. Jesu Umgang

Jesus:

schweigt zieht sich zurück geht weiter

„Gebt das Heilige nicht den Hunden.“

(Mt 7,6)

„Er aber schwieg.“

(Mt 27,14)

5. Paulus dazu

„Einen solchen Menschen weise ab.“

(Tit 3,10)

„Vermeide törichte Streitfragen.“

(2 Tim 2,23)

KATEGORIE 8: HÖRENDE / WIEDERGEBORENE

(zur Vollständigkeit und als Ziel)

1. Grundbeschreibung

Diese Menschen:

hören das Wort bleiben darin lassen sich korrigieren bringen Frucht

2. Kennzeichen (Jesus-Zitate)

„Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger.“

(Joh 8,31)

„Die gute Erde sind die, die das Wort hören und behalten.“

(Lk 8,15)

3. Jesu Umgang

„Euch ist gegeben, die Geheimnisse des Reiches zu erkennen.“

(Mt 13,11)

„Ich nenne euch Freunde.“

(Joh 15,15)

4. Paulus dazu

„Der geistliche Mensch beurteilt alles.“

(1 Kor 2,15)

„Die Frucht des Geistes ist …“

(Gal 5,22)

ABSCHLIESSENDER GESAMTSATZ (KANONISCH)

Jesus unterscheidet Menschen nicht nach religiösem Selbstbild,

sondern nach ihrer Haltung zur Wahrheit, zum Wort und zu den Konsequenzen.

Darum sind Einladung, Zuspitzung, Warnung oder Schweigen jeweils angemessen.

Leitstellen:

Joh 7,17 · Joh 8,31 · Mt 7,6 · Lk 12,47–48

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