Jeremia – berufen und getragen
Die Berufung Jeremias gehört zu den eindrucksvollsten im Alten Testament. Schon am Anfang seines Buches wird deutlich, dass Gott ihn nicht zufällig auswählt, sondern von Anfang an kennt und bestimmt hat:
„Ehe ich dich im Mutterleib bereitete, habe ich dich erkannt,
und ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt;
ich habe dich zum Propheten für die Völker bestimmt.“ (Jer 1,5)
Jeremia reagiert zögernd. Er fühlt sich zu jung, zu unsicher, zu wenig geeignet:
„Ach, Herr, HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.“ (Jer 1,6)
Doch Gott widerspricht ihm entschieden:
„Sage nicht: Ich bin zu jung,
sondern du sollst hingehen, wohin ich dich sende,
und predigen alles, was ich dir gebiete.
Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu erretten.“ (Jer 1,7–8)
Das Besondere an Jeremia ist seine Berufung in eine schwierige Zeit. Er wird gesandt, um Zerstörung und Neubeginn zu verkünden:
„Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche,
dass du ausreißen und einreißen, verderben und zerstören,
bauen und pflanzen sollst.“ (Jer 1,10)
Jeremias Auftrag ist also zweifach: Er soll Missstände und falsche Sicherheit aufdecken – aber auch Hoffnung auf neues Leben wecken. Er ist kein Prophet der schnellen Worte, sondern einer, der die Last seines Auftrags trägt und treu bleibt, selbst wenn er dafür angefeindet wird.
In Jeremia zeigt sich, dass Berufung oft mit Schwäche beginnt. Gott wählt keinen fertigen Propheten, sondern einen jungen Mann, der sich überfordert fühlt. Doch Gottes Zuspruch trägt ihn:
„Ich bin mit dir.“
Das genügt.
So wird Jeremia zum Beispiel dafür, dass Gottes Ruf nicht auf Fähigkeit, sondern auf Vertrauen gründet – und dass jeder, der sich zu klein fühlt, in Gottes Auftrag wachsen kann.