Arminianismus

Arminianismus in der Bibel: Welche Stellen stützen ihn wirklich?

Der Arminianismus ist eine theologische Richtung innerhalb des Protestantismus, die stark die Verantwortung des Menschen und die universale Gnade Gottes betont. Er geht auf den niederländischen Theologen Jacobus Arminius (1560–1609) zurück und wurde später durch die Remonstranten weitergeführt.

Während der Calvinismus Gottes souveräne Erwählung und unwiderstehliche Gnade in den Vordergrund stellt, hält der Arminianismus dagegen: Gottes Gnade gilt allen, aber der Mensch bleibt frei, darauf zu antworten – oder auch nicht.

Doch welche Bibelstellen untermauern diese Sichtweise?

1. Christus starb für alle Menschen

Arminianer betonen, dass das Sühnopfer Jesu nicht nur einer begrenzten „Erwählten“-Gruppe gilt, sondern der ganzen Welt.

Johannes 3,16: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben habe.“ 1. Johannes 2,2: „Er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“ 1. Timotheus 2,4–6: Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden … Christus hat sich als Lösegeld für alle gegeben.“

2. Erwählung ist bedingt durch Glauben

Gott wählt Menschen nicht willkürlich, sondern in Verbindung mit seinem Vorwissen, ob sie im Glauben an Christus verharren.

Römer 8,29: „Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt …“ 1. Petrus 1,2: „Auserwählt … nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters.“ Johannes 3,18: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet …“

3. Gnade kann widerstanden werden

Die Bibel zeigt klar, dass Menschen Gottes Gnade nicht automatisch annehmen – sie können sie zurückweisen.

Matthäus 23,37: „… und ihr habt nicht gewollt!“ Apostelgeschichte 7,51: „Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist.“ 2. Korinther 6,1: „… dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt.“

4. Der Ruf zur Umkehr: echter freier Wille

Immer wieder ruft Gott den Menschen, sich zu entscheiden. Diese Verantwortung ist real – keine bloße Illusion.

Josua 24,15: „Wählt euch heute, wem ihr dienen wollt …“ Offenbarung 22,17: „Und wen dürstet, der komme; und wer will, nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ Hesekiel 18,32: „Ich habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden … so kehrt um und lebt!“

5. Abfall vom Glauben ist möglich

Im Unterschied zum calvinistischen Motto „einmal gerettet – immer gerettet“ warnt die Bibel mehrfach vor dem realen Risiko, vom Glauben abzufallen.

Hebräer 6,4–6: „… und dann abgefallen sind – es ist unmöglich, sie wieder zur Buße zu erneuern.“ Hebräer 10,26: „Denn wenn wir mutwillig sündigen … bleibt kein Opfer mehr übrig.“ 2. Petrus 2,20–21: „… so ist’s mit ihnen zuletzt ärger geworden als zuvor.“ Galater 5,4: „Ihr seid von Christus losgetrennt … ihr seid aus der Gnade gefallen.“

Fazit

Der Arminianismus findet in der Bibel reichlich Rückhalt:

Christus starb für alle. Erwählung geschieht im Zusammenhang mit Glauben. Gottes Gnade kann abgelehnt werden. Der Mensch ist wirklich frei zur Umkehr. Ein Abfall vom Glauben ist möglich.

Das alles zeigt: Die Beziehung zu Gott ist keine starre Vorherbestimmung, sondern ein dynamisches Geschehen aus Gottes unendlicher Liebe und der echten Antwort des Menschen.

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