Ist Jesu Bund unumkehrbar – oder verlassen wir ihn selbst?**
Einleitung: Ein ewiger Bund – aber mit echter Verantwortung
Jesus spricht beim letzten Abendmahl von einem tiefen geistlichen Geheimnis:
„Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“
(Lukas 22,20)
Viele Christen verstehen das als unumstößliche Zusage: Wer einmal im Neuen Bund ist, kann niemals mehr herausfallen – unabhängig davon, wie er lebt.
Aber ist das wirklich so?
Was meint Jesus mit „Bund“?
Ist das ein göttlicher Vertrag – oder eine lebendige Beziehung?
Und: Kann ein Mensch diesen Bund auch wieder verlassen?
Die Bibel gibt erstaunlich klare Antworten. Sie zeigen:
Der Neue Bund ist von Gottes Seite unerschütterlich, aber nicht gegen den Willen des Menschen durchsetzbar. Er ist Gnade – aber Gnade ruft zu Treue. Und wer sich dieser Treue dauerhaft verweigert, kann diesen Bund tatsächlich verlassen.
1. Was ist der Neue Bund?
Jesus greift in Lukas 22,20 die Verheißung aus Jeremia 31,31–34 auf:
„Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da werde ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen […]. Ich will mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben.“
Der Neue Bund ist:
keine Gesetzessammlung wie bei Mose, sondern eine geistgewirkte Herzverbindung mit Gott, gegründet auf dem Blut Jesu, getragen vom Heiligen Geist, verbunden mit Vergebung, Erneuerung und echter Beziehung.
Er ist kein Vertrag zwischen zwei gleichberechtigten Partnern. Gott setzt ihn ein – aus Gnade. Und doch erwartet er Antwort, Treue, Liebe.
2. Ist der Neue Bund ein Vertrag oder eine Beziehung?
Im biblischen Denken ist ein „Bund“ immer mehr als ein Vertrag. Es geht nicht nur um Pflichten, sondern um Zugehörigkeit, Verbindlichkeit und Treue.
Vergleiche es mit einer Ehe:
Eine Ehe ist nicht automatisch gebrochen, wenn es eine Krise gibt. Aber sie kann zerbrechen, wenn einer der Partner dauerhaft die Beziehung verweigert.
So auch beim Neuen Bund:
Gott bleibt absolut treu. Doch er zwingt den Menschen nicht zur Gegentreue. Wer bewusst, mutwillig und dauerhaft aussteigt, verlässt den Bund – nicht weil Gott ihn bricht, sondern weil der Mensch ihn verwirft.
3. Was sagt die Bibel über das Verlassen des Bundes?
a) Hebräer 10,29:
„Wie viel schlimmerer Strafe, meint ihr, wird der für würdig erachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?“
Hier ist vom Blut des Bundes die Rede – also echten Gläubigen. Und doch kann ein Mensch diesen Bund verspotten, entehren, verlassen.
b) Hebräer 6,4–6:
„Es ist unmöglich, die, die einmal erleuchtet wurden […] und dann abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern.“
Diese Menschen hatten den Geist geschmeckt, das Wort erfahren – und sind trotzdem abgefallen.
c) Johannes 15,6:
„Wenn jemand nicht in mir bleibt, wird er hinausgeworfen wie die Rebe […] und ins Feuer geworfen.“
Der Bund verlangt: Bleiben. Wer dauerhaft nicht in Christus bleibt, hat sich abgeschnitten.
4. Ist der Bund dann unsicher?
Nein – ganz im Gegenteil.
Der Neue Bund ist:
ewig gültig, weil Jesus selbst dafür gebürgt hat. kraftvoll, weil der Heilige Geist in den Gläubigen wirkt. unauflöslich von Gottes Seite, denn „Gott ist treu“ (2. Tim 2,13).
Aber:
Der Bund lebt von gegenseitiger Beziehung, nicht einseitiger Formalität. Wer sich bewusst, dauerhaft gegen die Stimme des Geistes stellt, gegen das Kreuz rebelliert, Jesus nur mit den Lippen ehrt – der tritt aus dem Bund heraus.
5. Wie bleibt man im Bund?
Die Bibel nennt nicht Regeln, sondern Beziehungsmerkmale:
„Bleibt in mir, und ich in euch.“
(Johannes 15,4)
„Bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern.“
(Philipper 2,12)
„Wer bis ans Ende ausharrt, der wird gerettet werden.“
(Matthäus 24,13)
Das heißt nicht: Du musst dich retten.
Es heißt: Bleib nah bei Jesus, bleib wach, bleib im Hören.
6. Was geschieht mit denen, die im Glauben stehen bleiben?
Sie sind:
geboren aus dem Geist (Johannes 3), versiegelt mit dem Geist (Epheser 1,13), geführt vom Geist (Römer 8,14), und leben aus Gnade und Wahrheit (Johannes 1,17).
Für sie gilt:
„Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes.“
(Römer 8,39)
Aber diese Zusage gilt nur für die, die in Christus bleiben.
Nicht für die, die ihn bewusst verlassen.
Fazit: Der Neue Bund ist Beziehung, nicht Automatismus
Jesus hat den Neuen Bund aus Liebe gestiftet, mit seinem eigenen Blut besiegelt.
Gott wird nie zuerst brechen, was er geschlossen hat.
Aber:
Der Bund ist keine „kosmische Lebensversicherung“. Wer ihn verachtet, ignoriert oder verlässt, kann nicht erwarten, dass er trotz allem darin bleibt. Der Bund lebt – und wie jede Beziehung muss er gegenseitig getragen werden.
Schlussruf:
„Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht.“
(Hebräer 3,15)
Bleib im Bund. Bleib in Christus. Bleib im Hören auf den Heiligen Geist.
Denn das ist der Weg der Freude, der Freiheit – und der echten Sicherheit.